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AGGRESSION

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AGGRESSION

 

 

Formen und Ziele menschlichen Aggressionsverhaltens

 

Im Sprachgebrauch wird der Begriff Aggression meist mit unangepasstem, zerstörerischem und destruktivem Verhalten in Verbindung gebracht, die beim Menschen meist durch folgende Faktoren gekennzeichnet sind:

  • Schädigung
  • Intention (Absicht, Gerichtetheit)
  • Normabweichung

Beim Menschen wird unter "aggressivem Verhalten" in erster Linie eine direkte oder indirekte physische und/oder psychische Schädigung eines Lebewesens oder die Beschädigung eines Gegenstandes verstanden, unabhängig davon, was letztlich Ziel dieser Handlung ist.

 


Formen der Aggression sind:

  1. offene, physische Form: Schlagen, Töten, körperliches Bedrohen
  2. offene, verbale oder nonverbale Form: Beleidigen, Spotten, Gesten
    und mimische Ausdrucksweisen, Schreien
  3. verdeckte Form: Phantasien
  4. indirekte Form: Sachbeschädigung, üble Nachrede, Mobbing,
    Schikanen, Barrieren errichten
  5. emotionale Form: Stress, Ärger, Wut, Groll, Hass

In vielen Fällen gilt aggressives Verhalten als ein Versuch, ein bestimmtes Problem zu lösen. Aggressives Verhalten wird dann "instrumentell" eingesetzt, das heißt, es wird versucht, auf diese Weise bestimmte Ziele zu erreichen. Davon abzugrenzen ist die feindselige Aggression, deren Ursache Frustration und Wut und nicht die Erreichung eines gesellschaftlich anerkannten und übergeordneten Ziels ist.

 

 

"Typische" Aggressionsziele sind zum Beispiel:

  1. Das Durchsetzen eigener Wünsche und Interessen, die mit
    Wünschen anderer im Konflikt stehen
  2. Beachtung durch andere finden (Rangordnung)
  3. Reaktion auf Aggression anderer (Abwehr, Notwehr))
  4. Vergeltung erlittener Aggressionsakte (Rache)

 

Ursachen und Erklärungsmodelle der Aggression

 

Menschliches aggressives Verhalten ist von verschiedenen Faktoren abhängig, welche sich gegenseitig beeinflussen:

  • Genetische Faktoren: Menschen können genetisch unterschiedlich aggressiv veranlagt sein.
  • Physiologische Faktoren: Hormone und Neurotransmitter sind bei der Steuerung aggressiven Verhaltens beteiligt.
  • Gesamtorganische Faktoren: Psychische Zustände, Empfindungen und Motive beeinflussen das Aggressionsverhalten.
  • Gruppensoziologische Bedingung: Bei Ausbildung oder Zerfall einer Rangordnung sind alle beteiligte Individuen aggressiver als bei gefestigter Hierarchie. In einer anonymen Gruppe reagieren die Mitglieder anders als unter Vertrauten.
  • Sozial-ökologische Faktoren: Hohe Gruppendichte oder Nahrungsknappheit beeinflussen aggressives Verhalten.
  • Stammesgeschichtliche Faktoren: Aggressives Verhalten hat sich bei verschiedenen Arten evolutionsbedingt unterschiedlich ausgebildet.
  • Kulturgeschichtliche Faktoren: Aggressives Verhalten ist durch Ritualisierungen kulturell überformt.
  • Ontogenetische Faktoren: Persönliche Erfahrungen, Erlebnisse, Frustrationen, Ängste und Vorbilder beeinflussen aggressives Verhalten.

 

Einfluss der Gene

 

Wird aggressives Verhalten als eine zwingende Folge unserer Gene aufgefasst, bedeutet das, dass ein Mensch – egal in welcher Umwelt er lebt oder welche Erfahrungen er macht oder gemacht hat – auf jeden Fall früher oder später aggressiv werden wird.


Als physiologisch wirksame, innere "Botenstoffe" für eine erhöhte Neigung zu aggressivem Verhalten werden regelmäßig Androgene - speziell das Testosteron - erwähnt. Auch wird die häufig mit Einsetzen der Geschlechtsreife besonders bei männlichen Individuen beobachtbare, erhöhte Neigung zu verbaler Aggressivität ("Flegeljahre") auf die veränderte Aktivität der Gene zurückgeführt. Diese insbesondere von der eigenen Familie als destruktiv empfundenen Verhaltensweisen können auch gegen sich selbst gerichtet sein.

 

Der zugrundeliegende neuropsychologische Mechanismus der Aggression beinhaltet nach heutigem Wissenstand hauptsächlich Aktivierungen der Gebiete des Hypothalamus (VMH,AMH) und des PAG Gebietes, welche moduliert werden durch Aktivierungen oder Innervierungen der Amygdala und Präfrontaler Gebiete.


Allen Theorien gemeinsam ist die Vorstellung, dass sich im Menschen aggressive Impulse aufstauen, sodass er zunehmend gleichsam unter Druck gerät; zuletzt reichen daher angeblich selbst nichtigste Anlässe aus, um die angestaute Aggressivität explosionsartig zu entladen.

 


Einfluss der Umwelt

 

Im Gegensatz zur Theorie der angeborenen Zwangsläufigkeit des Auftretens von Aggression meinen die "Umwelttheoretiker", dass aggressives Verhalten erlernt oder erworben wird (Frustrations-Aggressions-Hypothese)


Lerntheoretiker wie Belschner gehen davon aus, dass jede Verstärkung einer Handlung deren Auftretenswahrscheinlichkeit erhöht; aggressives Verhalten wird von ihnen also dadurch erklärt, dass man mit seiner Aggression erfolgreich war (ein Ziel erreicht oder Anerkennung erhalten hat). Erst wenn diese Bekräftigung ausbleibt oder das unerwünschte Verhalten bestraft wird, kommt es zum Abbau aggressiven Verhaltens. Damit wird ein aggressionsfreies Verhalten grundsätzlich für möglich erachtet. Bandura erklärt Aggression darüber hinaus durch das Imitationslernen (soziales Lernen, Modelllernen, Lernen am Modell): Man sieht, wie ein anderer – z. B. auch der Held im Film – mit aggressivem Verhalten erfolgreich war und ahmt ihn nach, weil man einen ähnlichen Erfolg erwartet.


Nach der Frustrations-Aggressions-Hypothese führt jede Versagung (Frustration) zur Aggression. Viele kleinere Frustrationen können sich ansammeln, bis die letzte 'das Fass zum Überlaufen’ bringt und es zum aggressiven Ausbruch kommt. Eine Verminderung von Frustrationen würde demnach zu weniger Aggressionen führen, da der Abbau dieser reinigend (kathartisch) wirken soll. Da eine völlig frustrationsfreie Umwelt aber nicht denkbar ist, wird mit diesem Ansatz zur Deutung von aggressivem Verhalten zugleich auch die Möglichkeit einer völlig aggressionsfreien Gesellschaft ausgeschlossen.

 

Eine Weiterentwicklung der Frustrations-Aggressions-Hypothese stellt der kognitiv-neoassoziationistische Ansatz von Berkowitz dar, welcher im Unterschied zur Frustrations-Aggressions-Hypothese, folgende modifizierende Annahmen macht:

  1. Frustration führt nicht unmittelbar zu einem Bedürfnis, einem anderen Organismus Schaden zuzufügen, sondern dieser Prozess wird durch den emotionalen Zustand des Ärgers vermittelt.
  2. Neben der Frustration können auch andere Formen aversiver Stimulation negative Effekte und damit Aggression auslösen.
  3. Das Auftreten negativer Affekte und die Bereitschaft zu aggressiven
    Handlungen treten parallel auf, nicht sequentiell.

Hintergrund dieser Annahmen ist ein assoziatives Netzwerkmodell des menschlichen Gedächtnisses: Eine aversive Stimulation infolge der Erregungsausbreitung im Netzwerk gleichzeitig Gedanken, Emotionen und motorische Reaktionen auslösen. Zugleich kann die Aktivierung jeder einzelnen dieser Komponenten (z.B. feindselige Gedanken) die Aktivierung der beiden anderen Komponenten hervorrufen. Ob ein aversiver Affekt zu Vermeidungs- oder aggressiven Handlungen führt, hängt nach Berkowitz von drei Faktoren ab:

  1. stabile Persönlichkeitseigenschaften
  2. vorherige Lernerfahrungen
  3. von der Wahrnehmung bestimmter situativer Aspekte, z.B. aggressiver Hinweisreize.



Gemeinsamer Einfluss von Genen und Umwelt

 

Erich Fromm versucht in seiner Charaktertheorie eine Kombination der bisherigen Überlegungen. Als Anlage-Faktor geht er von menschlichen Grundbedürfnissen (Sicherheit, Stimulation, Erfolg, Freiheit) aus, die bei der Sozialisation eines Menschen mehr oder minder gut erfüllt werden, wodurch sein individueller Charakter geprägt wird. Dieser individuelle Charakter muss sich mit der ihn umgebenden Gesellschaft (dem sozialen Charakter) auseinandersetzen. Ist der individuelle Charakter genügend stark ausgeprägt, kann er Frustrationen besser verkraften oder in positive Aktionen umsetzen, werden aggressive Vorbilder nicht als solche akzeptiert oder Erfolge anders erreicht.


Ist der individuelle Charakter aber schwach – die Grundbedürfnisse wurden durch Erziehungsfehler nicht oder nur schlecht befriedigt, reagiert der Mensch in einem aggressiven Umfeld ebenfalls aggressiv. So hat auch Kurt Lewin nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen autoritärem Führungsstil und gesteigerter Aggression bei Wegfall der Kontrolle gibt und auch das Milgram-Experiment kann als Beleg für diese Theorie bewertet werden: Der Mensch (mit schwachem individuellem Charakter) orientiert sich an den Anordnungen durch eine Autorität. Die vermeintlich verlagerte Verantwortung erlaubt anscheinend selbst extreme sadistische Exzesse.


Motive


Tedeschi und Felson nennen in ihrer sozial-interaktionistischen Theorie aggressiven Verhaltens drei Motive, die zentral für die Entscheidung zu aggressivem Verhalten sind:

  • Streben nach sozialer Macht
    Ob aggressive Verhaltensweisen oder positive Verhaltensweisen eingesetzt werden, um soziale Kontrolle zu erhalten, hängt z.B. davon ab, wie wichtig der angestrebte Einflussbereich ist, welche frühere Erfahrungen man mit aggressiven und nicht-aggressiven Verhaltensweisen gemacht hat und welche Alternativen zur Verfügung stehen. Alternativen zur Ausübung sozialer Macht sind z.B. Argumente und Redegewandtheit.

  • Gerechtigkeit
    Aggressive Verhaltensweisen werden zur Herstellung von Gerechtigkeit vor allem dann eingesetzt, wenn eine Person annimmt, dass eine schwere Provokation und Ungerechtigkeit stattgefunden hat, eine eindeutige Schuld zuweisbar ist und es keine wirksame externe Bestrafungsinstanz gibt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Verhältnis zwischen den am Konflikt beteiligten Personen.

  • Positive Selbstdarstellung
    Aggressive Verhaltensweisen werden auch zur Herstellung oder Wahrung einer positiven Identität angewendet. Insbesondere sozialer Druck, der z.B. in bestimmten jugendlichen Subkulturen herrscht, in denen aggressives Handeln als Indikator für Männlichkeit gilt, hat Einfluss auf die Entscheidung zu aggressivem Handeln.


Auslöser von Aggression

 

Einige Gegebenheiten führen in Situationen, in denen aggressive Potential vorhanden ist, zu einer Verstärkung der aggressiven Tendenz:

  • Aversive Reize: Aversive - also unangenehme - Reize führen zu einer verstärkten Gereiztheit und können Ärgerempfindungen hervorrufen. In einer Untersuchung tauchten Versuchspersonen ihre
    Hände bei einem Scheinexperiment in Wasserbecken. War das Wasser sehr kalt oder heiß, gaben die Probanden verstärkte Ärgergefühle an und zeigten aggressive Verhaltenstendenzen
    (reagieren gereizt auf Versuchsleiter etc.). In einer anderen Untersuchung sollten Personen einen Fragebogen ausfüllen, der ihre Aggressivität erfasste. Füllten sie diesen in einem stark überheizten Raum aus, wiesen sie eine erhöhte Aggressivität auf.

  • Erregung: Physiologische Erregung (arousal) verstärkt bestehende Verhaltenstendenzen. Bei einem Experiment wurde Versuchspersonen Adrenalin injiziert, was zu einer erhöhten Erregung führte. Danach wurden sie in einen Raum mit einer entweder sehr euphorischen oder sehr feindseligen Person gebracht. Wenn die Probanden nichts über die Adrenalininjektion wussten, verhielten sie sich in starkem Ausmaß entsprechend der zweiten Person (feindselig bzw. aggressiv oder euphorisch). Die durch das Adrenanlin hervorgerufene physiologische Erregung hatte die Gefühlstendenz verstärkt. Es wird angenommen, dass die Probanden die Erregung auf die Reizung durch die andere Person attribuierten. Wussten die Probanden, dass ihnen
    Adrenalin injiziert wurde, verstärkten sich ihre feindseligen bzw. euphorischen Gefühle nicht. Sie nahmen zwar die körperliche Erregung wahr, attribuierten sie jedoch auf die Injektion.

  • Aggressive Hinweisreize: Sind in einer Situation Reize, die mit Aggression oder Gewalt assoziiert werden, vorhanden, führen diese zu einem schnelleren Ausbruch der aggressiven Tendenzen. So zeigten Kindergartenkinder in einer Studie mehr aggressives Verhalten, wenn sie mit Spielzeugwaffen im Gegensatz zu Puppen, Autos etc. spielten.
    Versuchspersonen, die in einer Scheinstudie einem angeblichen Lernenden Stromstöße bei falschen Antworten verabreichen sollten, gaben mehr Schocks, wenn im Experimentalraum Waffen an den Wänden hingen, als wenn Tennisschläger anwesend waren.

  • Pornographie und sexuelle Gewalt: Pornographische Darstellungen scheinen nach einigen Untersuchungen sexuelle Aggressionen zu enthemmen. In den 40er bis 80er Jahren stellte man beispielsweise in mehreren Ländern eine Korrelation zwischen sexuellen Übergriffen und
    der Verfügbarkeit von pornographischem Material fest. Eine Korrelation sagt jedoch nichts über eventuelle kausale Zusammenhänge oder die Beeinflussung durch andere Variablen aus.

  • Fernsehen: Im Lernexperiment von Bandura, indem Kinder einen Erwachsenen bei gewalttätigem Umgang mit einer Puppe beobachteten und dies später nachahmten, wurde auch mit
    Videoaufnahmen, in denen der Erwachsene zu sehen war, repliziert. Selbst wenn die Kinder die Gewalt nur auf dem Bildschirm sahen, verhielten sie sich später in ähnlicher Weise gegenüber der Puppe

  • PC-Spiele: Auch Computerspiele können eine ähnliche Wirkung wie
    Fernsehen ausüben.



Aggression und Informationsverarbeitung

 

Dodge beschreibt in einem Modell 6 Stufen der Bewertung sozialer Hinweisreize, die die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens erhöhen:

  1. Die Wahrnehmung einer potenziellen Provokation.
  2. Die Interpretation der Beobachtung.
  3. Die Definition der eigenen Ziele.
  4. Die Prüfung der eigenen Reaktionsmöglichkeiten.
  5. Die Auswahl einer Verhaltensweise
  6. Die Durchführung des ausgewählten Verhaltens.

Bitte beachte, dass diese Informationen keinesfalls einen Besuch beim Arzt/Ärztin ersetzen können und sollen. Wende dich bitte bei Fragen in jedem Fall an ärztliches Fachpersonal.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aggression

 
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