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MESSIE-SYNDROM

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MESSIE-SYNDROM


Der Begriff Messie-Syndrom (von engl. mess = Unordnung, Dreck, Schwierigkeiten) hat sich eingebürgert, um – unterschiedlich schwerwiegende – Defizite in der Fähigkeit zu bezeichnen, die eigene Wohnung ordentlich zu halten und seine Alltagsaufgaben zu organisieren. Diese auch als „Desorganisationsproblematik“ bezeichneten Defizite beruhen auf einer Störung psychischer Funktionen.
Hinsichtlich des Schweregrads gibt es eine weite Bandbreite von Selbstregulationsschwächen, „Chaotik“ und Unordentlichkeit mit irrationaler Sammelneigung am einen Ende des Spektrums bis hin zu schweren Formen des sogenannten Vermüllungssyndroms am anderen Ende.


Geschichte

Der Begriff ist eine Wortschöpfung der selbst betroffenen US Amerikanischen Sonderschulpädagogin Sandra Felton. Um sich aus ihrer Situation zu befreien entwickelte sie ein Bewältigungskonzept und publizierte Ratgeberliteratur. Auf diese Weise wurde die Problematik und der Begriff einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In den 80er-Jahren, gründete Felton die Selbsthilfegruppe Messies Anonymous. Durch die Ratgeberliteratur und Presseberichte wurde der Begriff auch im deutschsprachigen Raum bekannt.


Symptomatik

Betroffene, die auch als „Messies“ bezeichnet werden (oder sich selbst so bezeichnen), leiden an einer Störung der Fähigkeit, ihre Handlungen geplant und zielgerichtet an der Bewältigung ihrer alltäglichen Aufgaben auszurichten. Dies kann sich äußern in:

  • Unordentlichkeit bis zu Geruchsbelästigung und hygienischen Problemen
  • zwanghaftem Sammeln wertloser oder verbrauchter Dinge
  • chronischen Problemen mit Zeiteinteilung und Pünktlichkeit
  • „Lähmung“ der Handlungsfähigkeit auch in wichtigen Situationen
  • Versäumen bzw. Nicht-Erledigen normaler sozialer Verpflichtungen (es kann beispielsweise vorkommen, dass die gesamte Post – ob Werbung, wichtige Briefe oder Mahnungen – ungeöffnet in einer Schublade landet)
  • eingeschränktem sozialen Umgang, der u. a. durch eine oft extrem unordentliche Wohnung hervorgerufen wird
  • Hilflosigkeit unter dem Druck des Chaos

Messies neigen zum Sammeln bzw. Horten von Sachen, die ihre Mitmenschen oft als wertlos ansehen und wegwerfen würden. Die Betroffenen sind meistens unfähig, den realen Wert dieser Gegenstände einzuschätzen, zwischen wichtig und unwichtig, brauchbar und unbrauchbar zu unterscheiden. Oft sehen sie die Irrationalität ihres Hortens zwar ein, sind aber nicht in der Lage, dieser Einsicht entsprechend zu handeln. Im Extremfall führt die Unordnung dazu, dass größere Bereiche der Wohnung nicht mehr betretbar sind. Manchmal verbleiben nur noch enge „Fußwege“ zwischen großen Haufen, Kisten und Säcken. Schließlich kann es zur Unbewohnbarkeit der Wohnung.


Darüber hinaus haben Messies häufig Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen, Notwendiges zu erledigen und ihre Handlungen gemäß eigener Zielsetzungen effektiv zu steuern. Insbesondere die Umsetzung geplanter Handlungen, die nicht aktuell befriedigend sind, fällt ihnen schwer, ebenso eine aufgabengerechte Zeiteinteilung. Ähnlich wie bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind also die sogenannten exekutiven Funktionen gestört.
Messies schämen sich ihrer Unordnung in der Regel und leiden darunter. Auch infolge sozialer Isolation halten es viele Betroffene nicht für möglich, dass andere unter denselben Schwierigkeiten leiden. Dies erschwert ihnen häufig, ihr Problem zu erkennen und Hilfe zu suchen. Nach außen sind Messies meistens unauffällig. Sie erscheinen oft als offene, optimistische, vielseitige und kreative Menschen. Manchmal haben sie - scheinbar paradox - eine Tendenz zum Perfektionismus.


Zusammenhänge mit anderen psychischen Störungen

In der psychotherapeutischen Fachwelt wird der Begriff "Messie-Syndrom" wenig verwendet. Psychotherapeuten orientieren sich bei der Diagnose psychischer Störungen in aller Regel an den gängigen Klassifikationssystemen ICD-10 oder DSM IV, die den Begriff Messie-Syndrom nicht enthalten.
Dem Syndrom können unterschiedliche psychische Störungen zu Grunde liegen. Es kann sich um eine Störung der Selbstregulation bzw. der Exekutiven Funktionen im Rahmen einer Zwangskrankheit, einer Depression, von Persönlichkeitsstörungen oder anderer psychischer Erkrankungen handeln.

Manche Fachleute gehen davon aus, dass das Messie-Syndrom (in Fällen, in denen keine Psychose, schwere Depression oder Senilität vorliegt) eine ähnliche Grundlage hat wie ADHS bzw. eine Variante dieser Störung ist. Die Abklärung einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sollte daher Bestandteil einer fachärztlichen oder psychologischen Diagnosestellung bei einem Messie-Syndrom sein.
Im englischen Sprachraum ist der Begriff Messie-Syndrom wenig gebräuchlich. Die Störung wird dort mit dem Terminus Compulsive Hoarding (zwanghaftes Sammeln bzw. Horten) bezeichnet, wenn diese Symptomatik im Vordergrund steht, und dem Spektrum der Zwangserkrankungen zugeordnet. Steht der Aspekt einer Handlungsstörung im Sinne von Defiziten der Selbstregulation bzw. der Exekutiven Funktionen im Vordergrund, wird die Störung dort zumeist als Form der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung angesehen.


Hilfe und Behandlung

Eine Haushaltshilfe empfinden Messies häufig als nicht nützlich, da sie oft besondere Scham bezüglich ihrer Privatsphäre empfinden und zudem in der Regel ein starkes Bedürfnis haben, selbst die Kontrolle und Übersicht über ihre gehorteten Gegenstände zu behalten.

Viele Experten halten Coaching für ein geeignetes Mittel, Messies zu unterstützen. Ein Coach greift nicht persönlich ein, sondern berät lediglich. Die Erstellung von Arbeitsplänen und die Unterstützung bei deren Einhaltung helfen den Betroffenen oft, ihre täglichen Aufgaben besser zu strukturieren. Hilfreich kann auch ein sogenannter Peer sein, der dem Messie beim Aufräumen Gesellschaft leistet, ihn ermutigt, und ihn beim Aussortieren, Verstauen und Ablegen unterstützt, ihm nützliche Hinweise gibt oder ihn einfach bei Laune hält. Da Messies ohnehin unter Scham- und Schuldgefühlen leiden, sind Ermahnungen in aller Regel nicht hilfreich. Stattdessen sollten bereits kleine Fortschritte gewürdigt werden.

Innerhalb des weiten Spektrums von leichteren Formen von Unordentlichkeit und Selbstregulationsschwäche und schweren, die Autonomie und Lebenstüchtigkeit der Betroffenen erheblich beeinträchtigenden Störungen gibt es bisher keine klaren Kriterien dafür, ab welchem Schweregrad eine behandlungsbedürftige Krankheit vorliegt. Die deutsche Selbsthilfegruppe Anonyme Messies geht von mehr als 1,8 Millionen Menschen aus, die in Deutschland an dem Messie-Syndrom leiden. Diese Angaben sind kritisch zu sehen, seriöse Studien dazu sind nicht bekannt.
Nach eingehender fachärztlicher Untersuchung und Diagnosestellung kann eine unterstützende medikamentöse Behandlung angezeigt sein, je nach zugrundeliegender psychischer Störung z.B. mit einem Antidepressivum (bei Depressionen oder Zwangskrankheit) oder mit Stimulantien bei Vorliegen von ADHS.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom

 

 

 
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